Unternehmensnachfolge

23.07.2007

Wenn das Unternehmen mit dem Unternehmer stirbt…

Familienunternehmen sind das Rückgrat von Westösterreichs Wirtschaft. Viele gesunde Familienunternehmen sichern unzählige Arbeitsplätze. Doch selbst der vitalste Unternehmer muss sich irgendwann mit dem Gedanken vertraut machen, dass er eines Tages seinen Betrieb nicht mehr führen können wird. Genau hier beginnt das Problem: Die Beschäftigung mit dem eigenen Tod ist beunruhigend. Niemand denkt gerne an sein Ende.

Das merkt man nicht zuletzt daran, dass nur eine kleine Minderheit der Österreicher ein Testament aufsetzt. Wenn sich aber ein Unternehmer nicht beizeiten um seine Nachfolge kümmert, ist das geradezu sträflicher Leichtsinn. Verantwortungsvolle Chefs überlassen das Schicksal ihres Unternehmens nicht einfach dem Zufall. Dennoch steuert jeder Betrieb ohne eine professionelle Nachfolgeregelung einer höchst ungewissen Zukunft entgegen. Selbst, wenn ein Betrieb seit Jahrzehnten erfolgreich arbeitet, kann das plötzliche Ableben des Seniors zu seinem Ende führen. Dies aus folgenden Gründen: Besteht keine individuell ausgearbeitete Nachfolgeregelung, so nehmen alle (!) gesetzlichen Erben gemeinsam (!) den Platz des Unternehmers ein. Ehefrau und Kinder sind dann berufen, das Unternehmen gemeinsam zu führen.

Und das kann furchtbar in die Hose gehen. Manchmal fällt der Apfel eben doch weit weg vom Stamm. Im schlimmsten Fall ist sich die Gemeinschaft der Erben nicht einig, welche unternehmerischen Entscheidungen die richtigen sind. Möglicherweise will auch nur einer der Miterben das Unternehmen verkaufen, weil er dringend Geld braucht und die anderen hingegen nicht. Führungsstreitigkeiten und ebenso teure wie langwierige Prozesse unter den Erben sind dann keine Seltenheit. Sie lähmen den Betrieb und rauben ihm seine Liquidität. Und dann ist da noch der Fiskus, der sich bei jedem Todesfall auf hohe Steuereinnahmen freuen kann. Wird keine – auch steuerrechtlich optimierte – Nachfolgeregelung getroffen, sind oft viel mehr Steuern abzuführen als das eigentlich nötig wäre. Wichtiges Kapital geht verloren, und oft genug sind Betriebe deshalb schon eingegangen. Dabei lässt sich dieses Schicksal ganz einfach abwenden.

Zumeist hilft schon ein einfacher Schritt weiter. Der Unternehmer muss sich unter seinen potentiellen Erben einen oder mehrere würdige Nachfolger aussuchen und diese als Erben einsetzen. Damit stellt er sicher, dass keine minder Befähigten Verantwortung für den Betrieb übernehmen müssen. Da bei dieser Lösung oft Pflichtteilsberechtigte zurück bleiben, tut der Unternehmer außerdem gut daran, ausreichend Privatvermögen anzusammeln, um hieraus die Pflichtteilsansprüche jener Verwandten abgelten zu können, die er nicht als Erben eingesetzt hat. Können nämlich die Ansprüche der Berechtigten aus Privatvermögen bezahlt werden, ist der Betrieb nicht gezwungen, die Verwandtschaft aus seinem Vermögen zu füttern.

Wahlweise besteht die Möglichkeit, das Unternehmen einer Privatstiftung zu überantworten. Den Stiftungsrat kann der Unternehmer dann mit Personen seines Vertrauens besetzen, die sich später um alles kümmern. Der beste Zeitpunkt, vorzusorgen, ist natürlich jetzt, und nicht später. Hoffentlich sind nach alldem zwei Dinge deutlich geworden: Jeder umsichtige Unternehmer muss für die Zeit nach seinem Ableben gründlich vorsorgen. Und da jeder einzelne Fall etwas anders liegt, muss er bei seiner Vorsorge individuellen Rat einholen; und zwar den Rat eines Rechtsanwalts, was die erb- und gesellschaftsrechtlichen Fragen anbelangt, und den Rat eines Steuerberaters, der die steuerrechtlichen Dinge optimiert. Die Beratung durch Fachleute ist zwar nicht gratis, sie ist aber auch nicht umsonst.

RA Dr. Hermann Holzmann