Konsumentenschutz bei Pauschalreisen

03.08.2007

Der Sommer naht und auch heuer wird wieder ein Großteil der Österreicher den wohlverdienten Urlaub unter der Sonne des Südens verbringen.

Da für die Urlaubsplanung wenig Zeit bleibt, wird der Einfachheit und der Bequemlichkeit wegen mit immer größerer Vorliebe eine Pauschalreise beim Reisebüro gebucht. Das Auto bleibt zuhause und die ganze Familie fliegt stattdessen mit Sack und Pack ins „all inclusive“ Feriendomizil nach Griechenland, in die Türkei oder nach Spanien.

Was aber wenn der Urlaub nicht den Erwartungen entspricht, wenn das Hotel mit versprochenem Meeresblick, lediglich den Ausblick auf eine ausgehobene Baugrube bietet – Baulärm inklusive?

Was wenn der teure Tauchurlaub auf den Malediven oder in Indonesien anstatt der versprochenen Schildkröten und Mantarochen, nur abgestorbene Korallenriffe bietet, zudem das Bungalow nicht sauber und das Essen ungenießbar ist?

Besonderer Schutz des Konsumenten

Zeigt sich der Reiseveranstalter nach der Reise nicht kulant, hilft oft nur der Weg zum Rechtsanwalt und die Chancen zumindest Teile des Pauschalreisepreises zurückzuerhalten stehen nicht schlecht.

Der Reisende muss sich nämlich insbesondere bei Pauschalreisen oben genannte Vorfälle nicht gefallen lassen und wird als Konsument vom Gesetz besonders geschützt.

Bereits die Anpreisungen und Abbildungen im Reisekatalog sind nämlich in der Regel verbindliche Zusicherungen des Reiseveranstalters und sind nicht nur als unverbindliche Werbung zu verstehen. Das heißt jeder Prospekt, der dem Reisenden zur Verfügung gestellt wird muss klare und genaue Angaben zu Preis, Bestimmungsort, Reiseroute und zur Art der Unterbringung enthalten.

Rücktritt

Sollte der Reiseveranstalter wesentliche Bestandteile der vereinbarten Leistungen verändern, hat der Verbraucher bzw. der Reisende sogar das Recht vom Vertrag zurückzutreten.

Preisminderung

Leider ist jedoch ein Rücktritt von einer Reise sehr unwahrscheinlich, wenn die ganze Familie die Reise schon einmal angetreten hat. Daher hat man genauso die Möglichkeit Preisminderungsansprüche gegen den Reiseveranstalter geltend zu machen. Hier bietet selbst für den Laien die sogenannte „Frankfurter Tabelle“ eine brauchbare Orientierungshilfe. Nach dieser Tabelle werden Reisemängel in bestimmte Kategorien eingeteilt und die mögliche Preisminderung in Prozent angegeben.

So kann beispielsweise die Unterbringung in einem anderen als dem gebuchten Hotel eine Preisminderung in der Höhe von 20% rechtfertigen. Der fehlende zugesagte Meeresblick kann den Preis um 5-10% mindern. Natürlich können sich auch mehrere leichte Mängel zu einer schwerwiegenden Leistungsstörung summieren.

Sollte es schließlich tatsächlich bis zum Gerichtsverfahren kommen, bleibt es dem Richter allerdings unbenommen den Betrag für die Preisminderung nach seiner freien Überzeugung festzusetzen.

Schadensminimierung

Auch wenn der Konsument vom Gesetz besonders geschützt ist, gilt trotz alledem für den Reisenden eine Schadensbegrenzungspflicht. Sollte man also der Meinung sein, dass die Reiseleistung mangelhaft ist, ist es unbedingt schon am Urlaubsort notwendig etwas dagegen zu unternehmen, vor allem wenn es sich um behebbare Mängel handelt. Sollte beispielsweise das Hotelzimmer nicht dem Vertrag entsprechen, ist dies dem Hotelier und insbesondere der örtlichen Reiseleitung mitzuteilen. Vielleicht kann ja innerhalb kurzer Zeit ein adäquates Zimmer gefunden werden und so kann zumindest der restliche Urlaub genossen werden.
Erhebliche Mängel

Sollte es sich allerdings um einen Mangel handeln der ohnehin nicht behebbar ist, wenn z. B. der zugesicherte Golfplatz beim gebuchten Golfurlaub nicht bespielbar ist, ist auch eine Rüge des Mangels nicht von Nöten. Bei so erheblichen Mängeln wäre sogar denkbar, dass der Reisende den Reisevertrag sofort kündigt und auf Kosten des Reiseveranstalters heimreisen kann. Erheblich ist ein Mangel immer dann wenn der Gesamtwert der Reise betroffen ist und der Grad der Minderung mindestens 50% beträgt. Der Reisepreis kann selbstverständlich zurückgefordert werden. Allerdings muss man sich bestimmte bereits erbrachte Leistungen des Reiseveranstalters anrechnen lassen.

„Entgangene Urlaubsfreude“

Das Thema Pauschalreisen erhielt jedoch insbesondere durch eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2002 in Österreich zusätzliche Brisanz. Seit diesem Urteil müssen sich die Reiseveranstalter nämlich nicht nur Abschläge wegen Schlechterfüllung gefallen lassen, sondern sind zusätzlich verpflichtet dem Reisenden seine „entgangene Urlaubsfreude“ zu ersetzen.

Anlassfall war ein Türkeiurlaub einer österreichischen Familie, deren Tochter kurz nach Ankunft am Urlaubsort an einer Salmonellenvergiftung – verursacht durch das Essen in der Clubanlage – erkrankt war. Beide Urlaubswochen waren ruiniert, weil sich die Erkrankung hartnäckig hielt. Erst der EuGH erkannte der Familie Schadenersatz für die entgangenen Urlaubsfreuden zu.

Diese Rechtsprechung wurde in der Folge vom Obersten Gerichtshof übernommen und seit 2004 ist der Schadenersatz für entgangene Urlaubsfreuden sogar im Gesetz verankert. Die entgangene Urlaubsfreude ist immer dann zu ersetzen, wenn der Reiseveranstalter einen erheblichen Teil der vertraglich vereinbarten Leistung nicht erbracht hat und dies auf einem den Reiseveranstalter zurechenbaren Verschulden beruht. Bereits bei leichter Fahrlässigkeit des Reiseveranstalters hat dieser für den sogenannten immateriellen Schaden der entgangenen Urlaubsfreude einzustehen. Als Grund dafür wird angeführt, dass der zentrale Zweck eines Reisevertrages ist, dem Reisenden Urlaubsfreude zu verschaffen.

Laut OGH kann der vom Urlaub enttäuschte Reisende bis zu 60 € pro Tag für die entgangene Urlaubsfreude verlangen, auch wenn bisher eher geringere Beträge zugesprochen wurden.

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Reisende bereits bei der Buchung Augenmerk darauf legt, welches Angebot er wählt. Denn alles was seitens des Reiseveranstalters versprochen wird, ist Inhalt des Vertrages und kann daher vom Reisenden eingefordert werden.

Bestehen Sie auf die zugesicherten Leistungen. Sollte sich dann der Reiseveranstalter immer noch uneinsichtig zeigen, hilft oft nur mehr die kompetente Vertretung durch Ihren Rechtsanwalt, der Ihre Ansprüche auf entgangene Urlaubsfreude einfordert.

„Schönen Urlaub“!