Scheidung ohne Prozess

Die Ursachen für Scheitern von Ehen sind genau so vielfältig wie der Umgang der Betroffenen mit der Trennungssituation. Scheidungen sind nicht nur belastend für die unmittelbar Beteiligten sowie deren Familien, sondern auch belastend für das gesamte soziale und berufliche Umfeld. Nicht selten kommt es vor, dass sich die Situation von Scheidungswilligen durch die Auseinandersetzung verschlechtert.

Trotz allem Verständnis für die gefühlsmäßige und nervliche Belastung ist ein sachlicher und nüchterner Blick auf die Situation unerlässlich, vor allem um eine für beide Ehepartner rasche und einvernehmliche, und für die beteiligten Kinder tragbare Lösung herbeizuführen, und um den Start in das Leben nach der Scheidung vorzu-bereiten.

Eine zentrale Funktion bei der Scheidung nehmen neben dem Gericht die Anwälte ein. Es ist primäre Verpflichtung gerade des Anwaltes prozessvorbeugend und sohin lösungsorientiert zu agieren. Oberstes Ziel muss daher sein, eine rasche, möglichst schmerzlose Beendigung eines Lebensabschnittes einerseits sowie die Vermeidung großer materieller Verluste andererseits. Dies sind zweifelsohne wesentliche Gründe einer streitigen Scheidung aus dem Wege zu gehen. Man spart sich dadurch nicht nur beträchtliche Kosten, sondern vor allem auch eine völlig unnötige nervliche Überbelastung und einen unnötigen Zeitaufwand.

Allein schon aus diesem Grunde sind potentielle Scheidungswillige bestens beraten, nicht den langen und mühsam streitigen Weg zu gehen, sondern eine einvernehmliche Lösung gemeinsam mit dem Ehepartner zu erarbeiten.

Das österreichische Rechtssystem ermöglicht deshalb eine einvernehmliche Scheidung die nach § 55 a Ehegesetz einfachste, kostengünstigste und schnellste Möglichkeit der Scheidung ist. Die Voraussetzungen für die einvernehmliche Scheidung sind:

  • Die eheliche Lebensgemeinschaft muss seit mindestens 6 Monaten aufgehoben sein;
  • beide Seiten müssen die unheilbare Zerrüttung des ehelichen Verhältnisses zugestehen;
  • zwischen den Ehegatten muss Einvernehmen über die Scheidung herrschen;
  • es muss eine schriftliche Vereinbarung dem Gericht vorgelegt werden, in der unter anderem die Punkte: Kindesunterhalt, Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit minderjährigen Kindern, Ehegattenunterhalt, Aufteilung von ehelichen Ersparnissen und ehelichem Gebrauchsvermögen, geregelt werden (das Besuchsrecht zu gemeinsamen Kindern kann in der Scheidungs-vereinbarung angesprochen werden, es kann aber auch außergerichtlich geregelt werden).

Die Verschuldensfrage spielt bei der einvernehmlichen Scheidung keine Rolle, hier wird einzig und allein das Zerrüttungsprinzip angewendet.

Die Vorteile der einvernehmlichen Scheidung liegen sohin klar auf der Hand und die wichtigsten Merkmale der einvernehmlichen Scheidung sind:
1) gesamtbereinigende Wirkung
2) die Kosten sind gering und überschaubar
3) eine einvernehmliche Scheidung ist bei guter Vorbereitung in kurzer Zeit durchzuführen
4) es wird ein gemeinsamer Antrag auf Ehescheidung gestellt
5) Kernstück ist die schriftliche Vereinbarung über Kinder, Unterhalt und Vermögensaufteilung
6) zuständig ist das Bezirksgericht am Wohnsitz, wobei ein anderer Gerichtsort ausdrücklich vereinbart werden kann
7) die 6monatige Aufhebung der ehelichen Gemeinschaft muss lediglich behauptet werden und wird nicht von Amts wegen überprüft
8) eine streitige Scheidung kann zu jedem Zeitpunkt in eine einvernehmliche Scheidung umgewandelt werden

Bei der einvernehmlichen Scheidung sind dem Gericht folgende Urkunden vorzulegen:

  • Heiratsurkunde
  • Staatsbürgerschaftsnachweis beider Ehegatten
  • Meldezettel beider Ehegatten
  • Geburtsurkunden gemeinsamer Kinder
  • amtliche Lichtbildausweise beider Ehegatten
  • eventuell Urkunden, die das zu übertragende eheliche Gebrauchsvermögen betreffen, etwa Mietvertrag, Grundbuchsauszug, KfZ-Papier sowie schriftliche Vereinbarung über Kinder, Unterhalt und Vermögensaufteilung

Die einvernehmliche Scheidung wird im außerstreitigen Rechtsweg verhandelt, d.h. die Ehegatten stehen sich nicht als Kläger und Beklagter gegenüber.

Über den Scheidungsantrag entscheidet das Gericht mit Beschluss und nicht wie im streitigen Scheidungsverfahren mit Urteil.

Für die einvernehmliche Scheidung ist eine Gerichtsgebühr sowie eine Vergleichs-gebühr zu bezahlen.

Das Anwaltshonorar für die Verfassung des Scheidungsvergleiches hängt vom Umfang des Aufwandes sowie der vereinbarten Bemessungsgrundlage ab, differiert daher von Fall zu Fall.

Die Vertretung beider Parteien durch einen Rechtsanwalt ist seit 1.1.2005 nicht mehr zulässig.

So belastend in psychischer und zwischenmenschlicher Hinsicht die Scheidungs-situation auch ist, die Entscheidungen, die in dieser Zeit getroffen werden, wirken sich auf die betroffenen Ehegatten sowie auf das gesamte soziale und berufliche Umfeld langfristig aus und sollten daher nicht unüberlegt erfolgen. Es ist deshalb ratsam, einen fachkundigen Berater rechtzeitig zu konsultieren. Eine Scheidung ist nämlich ein prägender Einschnitt im Leben der Scheidungswilligen und der Kinder. Sie wirkt sich auf das gesamte soziale Gefüge der Verwandtschaft sowie des Freundeskreises und des beruflichen Umfeldes aus.

Wie leicht oder wie schwer all diese Veränderungen akzeptiert und verkraftet werden, hängt von vielen Faktoren ab. Eines ist jedoch wesentlich:

„Je konstruktiver man an die Veränderungen herangeht, um so leichter wird man sich im neuen Leben zurechtfinden.“

Die Erfahrungen aus der Scheidung zu verarbeiten, ist eine wichtige Aufgabe, für die man sich ausreichend Zeit nehmen sollte und ist es in der Folge sehr wichtig, den Blick nach vorne zu richten und die Chance wahrzunehmen, die mit der Beendigung eines vielleicht schon jahrelang belastenden Zustandes einhergehen.

Unter allen Umständen soll eine unsachliche und untergriffige Scheidungsstreitigkeit vermieden werden und sollten gerade die beauftragten Anwälte darauf achten, dass Respekt und Sachlichkeit zwischen den Parteien gewahrt bleibt.

Scheidungen kommen in allen Gesellschaftsschichten vor und sind jedenfalls nichts Abnormales. Menschen verändern sich – und wie schon Cicero vor 2000 Jahren schrieb – scheitern daran auch Freundschaften. Jedenfalls gewinnt jeder Mensch an Stärke, wenn er versucht auch solche Probleme zu meistern. Gerade bei Scheidungen oft ratsam, zum richtigen Zeitpunkt von vermeintlich zustehenden Ansprüchen etwas abzurücken und nachzugeben; dadurch können beide gewinnen und keiner bleibt auf der Strecke.

Wie schon eingangs erwähnt, wird durch langes Prozessieren das aufzuteilende Vermögen, das oft einen wesentlichen Streitpunkt bildet, nicht größer, sondern im Ergebnis vor allem aufgrund der ansteigenden Vertretungskosten, geschmälert. Auch aus diesem Gesichtspunkt heraus ist die Partei bei jenem Anwalt bestens aufgehoben, der auch diesen Aspekt beherzigt.